Was bedeutet eigentlich digitale Barrierefreiheit?

Autor*in: wigital

18.11.2025

Digitale Barrierefreiheit geht uns alle an. Sie macht Websites für alle nutzbar – unabhängig von Einschränkungen. Für wigital ist sie nicht nur Pflicht, sondern Haltung. Wir zeigen, wie wir sie konkret in Projekten umsetzen. 

Was ist digitale Barrierefreiheit? 

Digitale Barrierefreiheit bedeutet, dass Websites, Apps und digitale Dienste so gestaltet sind, dass sie für alle Menschen zugänglich sind – auch für Menschen mit körperlichen, sensorischen oder kognitiven Einschränkungen. 

Beispiele für Einschränkungen: 

  • Menschen mit Sehbehinderungen, die Screenreader oder vergrößerte Schriftgrößen nutzen
  • Menschen mit motorischen Einschränkungen, die auf Tastatur- oder Sprachsteuerung angewiesen sind
  • Menschen mit Hörbehinderungen, die auf Untertitel oder Transkripte bei Audioinhalten angewiesen sind
  • Menschen mit Lernschwierigkeiten, die von klarer Sprache und übersichtlichen Strukturen profitieren 

Barrierefreiheit bedeutet: Digitale Teilhabe ermöglichen. Für alle. 

Warum ist digitale Barrierefreiheit wichtig? 

1. Rechtliche Verpflichtung 

Digitale Barrierefreiheit ist inzwischen verpflichtend. Öffentliche Stellen müssen ihre Angebote bereits seit der BITV 2.0 barrierefrei gestalten. Seit 2025 gilt zudem der European Accessibility Act (EAA), der auch private Unternehmen verpflichtet – darunter Onlineshops, Apps, Ticketdienste oder Bankportale. 

2. Ethische Verantwortung 

Barrierefreiheit ist ein Menschenrecht. Digitale Angebote, die nur für einen Teil der Gesellschaft nutzbar sind, schließen viele Menschen aus – obwohl es technisch vermeidbar wäre. Für uns bedeutet das: Inklusive Gestaltung ist keine Option – sondern ein Muss. 

3. Praktischer Nutzen 

Barrierefreie Websites sind nicht nur für bestimmte Zielgruppen besser – sie sind für alle besser: 

  • besser nutzbar auf mobilen Geräten
  • schneller und strukturierter aufgebaut
  • suchmaschinenfreundlich
  • zukunftssicherer in der Technik 

Barrierefreiheit steigert die UX-Qualität insgesamt – und das ist gut fürs Image, für die Reichweite und für die Conversion. 

Häufige Barrieren im Web – und wie man sie vermeiden kann 

In der Praxis begegnen uns immer wieder ähnliche Barrieren. Hier sind die häufigsten – und wie wir sie konkret vermeiden: 

Fehlende Alternativtexte bei Bildern 
Screenreader können keine Bilder interpretieren – sie brauchen sinnvolle Alt-Texte. Wir pflegen bei allen relevanten Grafiken präzise Beschreibungen ein. Dekorative Bilder versehen wir mit einem leeren alt-Attribut, damit sie übersprungen werden. 

Unzureichende Kontraste 
Texte mit zu wenig Farbkontrast sind schwer lesbar – besonders für Menschen mit Sehschwäche. Im Design prüfen wir Kontrastverhältnisse frühzeitig mit Tools wie dem Color Contrast Checker (WebAIM) oder entsprechenden Figma-Plugins

Keine Tastaturbedienbarkeit 
Viele Nutzer:innen bedienen Websites ausschließlich mit der Tastatur. Wir achten auf sinnvolle Fokusreihenfolgen, sichtbare Fokuszustände und testen interaktive Komponenten regelmäßig mit der Tastatur. 

Nicht sprechende Linktexte 
Links wie „hier klicken“ oder „mehr erfahren“ sind ohne Kontext oft unverständlich. Wo es möglich ist, formulieren wir Linktexte so, dass sie auch allein aussagekräftig sind – z. B. „Alle Infos zur Veranstaltung anzeigen“. 

Komplexe Inhalte ohne Struktur 
Lange, unstrukturierte Textblöcke oder überladene Seiten erschweren die Orientierung. Wir setzen auf eine klare Inhaltsstruktur mit sinnvoll eingesetzten Überschriften, Listen, einfacher Sprache und visuellem Rhythmus. 

Wie wir bei wigital digitale Barrierefreiheit umsetzen 

UX/UI-Design: Barrierefreiheit beginnt im Konzept 

Wir versuchen, Barrierefreiheit bereits früh im Designprozess mitzudenken – und setzen diese Aspekte gezielt um, wenn Kund:innen dies wünschen und beauftragen: 

  • Kontrastanforderungen können wir schon im Screendesign berücksichtigen.
  • Unser Designsystem lässt sich skalierbar und barrierearm gestalten – mit klaren Strukturen und wiedererkennbaren UI-Elementen.
  • Visuelle Überladung vermeiden wir möglichst, und wir können Orientierungshilfen einbauen – etwa durch konsistente Navigation, ausreichend Weißraum und klare Hierarchien.
  • In der Prototypenphase haben wir die Möglichkeit, Designs mit Kontrasttools zu prüfen und WCAG-Vorgaben einzubeziehen. 

Technische Umsetzung: Sauberer Code = barrierefreier Code 

In der Entwicklung setzen wir auf semantisch korrektes HTML, damit Screenreader Inhalte sinnvoll erfassen können. Darüber hinaus: 

  • Wir stellen sicher, dass alle Funktionen per Tastatur erreichbar sind.
  • Fokusindikatoren und sinnvolle ARIA-Rollen werden dort eingesetzt, wo sie nötig sind – aber nicht übermäßig.
  • Formulare sind beschriftet, valide und geben verständliche Fehlermeldungen zurück. 

Content: Verständliche und gut strukturierte Inhalte 

Auch Inhalte können Barrieren schaffen – oder abbauen: 

  • Wir formulieren möglichst klar, prägnant und verständlich.
  • Wir achten auf gut strukturierte Inhalte mit Absätzen, Listen und Zwischenüberschriften.
  • Wir vermeiden Fachjargon, wenn nicht nötig – oder erklären ihn, wenn doch. 

Tools und Methoden, die wir verwenden 

Wir nutzen eine Kombination aus manuellen Checks und bewährten Tools: 

Herausforderungen & Learnings aus Projekten 

Barrierefreiheit ist kein Zustand – sondern ein Prozess. Einige Learnings aus unserer Arbeit: 

  • Früh starten ist entscheidend: Wer Barrierefreiheit von Anfang an mitdenkt, spart Zeit und vermeidet technische Schuld.
  • Interdisziplinarität ist wichtig: Designer:innen, Entwickler:innen, Redakteur:innen – alle müssen wissen, was ihre Rolle in Sachen Barrierefreiheit ist.
  • Perfektion ist kein Muss: 100 % WCAG-Konformität ist nicht immer sofort erreichbar. Wichtig ist, stetig besser zu werden.
  • Testen mit echten Nutzer:innen ist Gold wert: Automatisierte Tests zeigen viel – aber nicht alles. Feedback von Nutzer:innen mit Einschränkungen liefert oft den entscheidenden Aha-Moment. 

Fazit: Gute UX ist inklusive UX 

Digitale Barrierefreiheit ist kein zusätzlicher Aufwand – sondern eine Investition in Qualität, Nachhaltigkeit und Nutzerfreundlichkeit. Für uns bei wigital gehört sie zum Selbstverständnis professioneller Webentwicklung und digitalen Designs. 

Barrierefreiheit bedeutet nicht, alle Sonderfälle zu lösen. Es bedeutet, möglichst vielen Menschen einen gleichwertigen Zugang zu ermöglichen – und das macht Produkte nicht nur inklusiver, sondern schlicht besser. 


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