Agentisches Einkaufen bedeutet, dass nicht mehr der Mensch selbst einen Kauf abschließt, sondern eine KI in seinem Auftrag. Sie vergleicht Preise, füllt den Warenkorb und kann unter festgelegten Bedingungen sogar selbstständig bezahlen. Auf der Google I/O 2026 Mitte Mai hat Google genau dafür die technische Grundlage gelegt und den Online-Einkauf an mehreren Stellen gleichzeitig neu gebaut. Für Onlineshops, gerade auf Shopware-Basis, ändert sich dadurch mehr als in den letzten Jahren zusammen.
Wir haben uns angeschaut, was davon schon heute wichtig ist und was eher noch Zukunftsmusik bleibt.
Der Warenkorb zieht zu Google um
Die größte Neuerung heißt Universal Cart, und sie zeigt am deutlichsten, wohin die Reise geht. Nutzer können damit Produkte aus verschiedenen Shops in einem gemeinsamen Google-Warenkorb sammeln, direkt in der Suche, in der Gemini-App und bald auch bei YouTube und Gmail, ohne den jeweiligen Shop überhaupt zu besuchen. Im Hintergrund übernimmt eine KI Aufgaben, die bisher der Mensch erledigt hat: Sie vergleicht automatisch Preise, prüft, ob Produkte noch verfügbar sind, und schlägt Alternativen vor, wenn etwas nicht zusammenpasst.
Möglich macht das ein offener Standard namens Universal Commerce Protocol, kurz UCP, den Google gemeinsam mit Shopify entwickelt hat und den inzwischen auch Zalando, Visa, Mastercard und Stripe unterstützen. Seit dem Start im Januar 2026 ist UCP bereits mehrfach erweitert worden: Agenten können inzwischen mehrere Artikel auf einmal in einen Warenkorb legen, Echtzeit-Produktdaten wie Varianten und Lagerbestand direkt aus dem Shop-Katalog abrufen und über verknüpfte Konten sogar Treuepunkte und Rabatte berücksichtigen, ganz so, wie es ein Mensch beim Einkaufen auch tun würde.
Ergänzt wird das Ganze durch das Agent Payments Protocol. Damit können KI-Agenten sogar vollständig selbstständig bezahlen, ganz ohne dass in dem Moment noch jemand bestätigt. Möglich ist das nur innerhalb von Grenzen, die man vorher selbst festgelegt hat, etwa eine bestimmte Marke, eine Produktkategorie oder ein maximaler Betrag. Jede Transaktion wird dabei kryptografisch signiert, damit im Zweifel nachvollziehbar bleibt, welcher Agent in wessen Auftrag was gekauft hat.
Für unsere Shopware-Kunden heißt es hier trotzdem erstmal abwarten. Aktuell läuft das Ganze nur in den USA, Kanada und Australien folgen als Nächstes. Für Deutschland oder die EU gibt es noch keinen Termin, realistisch wird das frühestens 2027. Shopify-Händler bekommen die technische Anbindung praktisch automatisch mitgeliefert, für Shopware gibt es bislang nur eine experimentelle Erweiterung ohne offizielle Unterstützung. Wer schon jetzt vorbereitet sein will, kommt trotzdem nicht um die Frage herum, wie gut die eigenen Produktdaten überhaupt maschinenlesbar sind, denn genau darauf greift ein Einkaufsagent zurück.
Was jetzt schon zählt: der Produktdaten-Feed
Auch wenn der große Umbau beim Checkout noch dauert, legt Google die Basis dafür schon heute. Im Google Merchant Center gibt es acht neue Produktattribute, die speziell für KI-Oberflächen gedacht sind, darunter Produkt-FAQs, Zubehörhinweise, Handbücher und Beliebtheitsränge. Diese Daten fließen schon jetzt in AI Overviews und den KI-Modus ein und sind genau die Grundlage, auf die ein Einkaufsagent später zugreifen wird.
Wer diese Attribute pflegt, sichert sich gleich zweifach ab. Der eigene Shop wird schon heute besser in KI-Suchergebnissen dargestellt, und sobald Universal Cart und UCP bei uns starten, ist die Datenbasis längst vorhanden. Das lässt sich unabhängig von der eingesetzten Shop-Software über ergänzende Feeds einspielen, ohne dass bestehende Google-Shopping-Kampagnen darunter leiden.
Die Suche beantwortet Fragen selbst, statt auf Websites zu verlinken
Der zweite große Umbruch betrifft die Google-Suche an sich, und er ist die Grundlage dafür, dass agentisches Einkaufen überhaupt funktioniert. Der KI-Modus ist inzwischen für über eine Milliarde Menschen im Monat der Standardweg, um Fragen zu stellen, und die Zahl der Anfragen verdoppelt sich praktisch jedes Quartal. Statt einer Liste mit blauen Links bekommt man direkt eine fertige Antwort, oft ganz ohne einen einzigen Klick auf eine Website. Genau diese Antwort ist es auch, auf die sich ein Einkaufsagent stützt, wenn er entscheidet, welchen Shop er vorschlägt.
Was das für Shops bedeutet, zeigen aktuelle Zahlen ziemlich deutlich. In Deutschland sinkt laut SISTRIX die Klickrate auf Position 1 von 27 auf nur noch 11 Prozent, sobald eine KI-Antwort erscheint. Wer darin nicht als Quelle genannt wird, bekommt keinen Traffic mehr, ganz unabhängig davon, wie gut das eigene Google-Ranking eigentlich ist. Klassisches SEO reicht also allein nicht mehr aus. Entscheidend ist, ob die KI den eigenen Shop überhaupt kennt und ihn für vertrauenswürdig hält.
Bei Google Ads führt kaum noch ein Weg an Performance Max vorbei
Auch im Anzeigenbereich schraubt Google an den Regeln. Die neuen KI-Anzeigenformate, bei denen Gemini Anzeigentexte live passend zur jeweiligen Suchanfrage formuliert, funktionieren nur noch mit Performance Max oder AI Max. Klassische Dynamic Search Ads werden im September 2026 automatisch auf AI Max umgestellt. Wer bis dahin nicht selbst aktiv wird, hat bei der Umstellung schlicht kein Mitspracherecht mehr.
Warum reines Ranking allein nicht mehr reicht
Google hat parallel zur I/O einen offiziellen Leitfaden zur Optimierung für KI-Suche veröffentlicht. Die Kernaussage darin: Es braucht keine speziellen KI-Tricks, sondern echten, eigenständigen Inhalt mit tatsächlicher Erfahrung dahinter. Generische Ratgeber-Texte, wie es sie tausendfach im Netz gibt, werden von der KI schlicht nicht zitiert. Passend dazu lief zeitgleich ein Core-Update, das gezielt gegen wertlosen, KI-generierten Content vorgeht.
Für Shopbetreiber bedeutet das: Produktbeschreibungen, Kategorietexte und Beratungsinhalte müssen einen Mehrwert bieten, der über das hinausgeht, was eine KI ohnehin schon weiß. Genau darum geht es bei GEO, kurz für Generative Engine Optimization: nicht mehr nur gefunden werden, sondern Teil der Antwort sein, die eine KI ausgibt, und damit auch Teil dessen, was ein Einkaufsagent am Ende vorschlägt.
Was wir daraus für unsere Kunden mitnehmen
Im Kern verschieben sich gerade drei Dinge gleichzeitig: wo Menschen nach Produkten suchen, wie sie sie kaufen, und wer die Kaufentscheidung eigentlich trifft, immer öfter eine KI im Auftrag des Kunden. Für Shopware-Händler heißt das ganz praktisch: Der Merchant-Center-Feed verdient schon jetzt mehr Aufmerksamkeit, denn genau darauf greifen Einkaufsagenten zurück, unabhängig davon, wann Universal Cart auch bei uns startet. Die eigene Sichtbarkeit in KI-Antworten lässt sich schon heute prüfen und gezielt verbessern. Und bei Google Ads lohnt sich ein Blick auf Performance Max, bevor die Migration im September zur Pflichtübung wird.
Seit über 25 Jahren begleiten wir Unternehmen in Kiel und Schleswig-Holstein bei digitalen Projekten. Mit wigital.ai haben wir unser KI-Know-how gebündelt, als direkte Anlaufstelle für alle, die nicht nur beraten, sondern konkret umgesetzt haben wollen. Von der Analyse der eigenen KI-Sichtbarkeit über die Optimierung des Produktdaten-Feeds bis zur Google-Ads-Migration, immer mit Blick auf das, was für deinen Shop schon heute etwas bringt.
Wenn du wissen willst, wie dein Onlineshop aktuell in ChatGPT, Gemini und dem Google KI-Modus dasteht, melde dich bei uns. Wir schauen uns gemeinsam an, wo bei dir der größte Hebel liegt. Einen ersten Eindruck bekommst du auch direkt selbst: Mit dem GEO-Checkup auf wigital.ai prüfst du kostenlos, wie sichtbar dein Unternehmen aktuell in KI-Systemen ist.